Lektorat Susanne Hahn:  Sprache – Sport – Gesundheit

Hier kommt Ihr Text ins Ziel


17.02.21

Importiert und angepasst bei der Beugung: Sport mit englischen Verben und ihrem Partizip

Das habe ich in meinem Beitrag neulich eine falsche Form eingeschmuggelt: GERUNNT. Nein, das gibt es nicht und sollte es auch nie geben! 
Aber was wäre gewesen, wenn ich nicht gelaufen, sondern mit dem Fahrrad unterwegs gewesen wäre? Dann hätte ich dudenkonform schreiben können „Ich bin (oder: habe) GEBIKT.“ Ich bike, du bikst, er/sie/es bikt, wir biken, ihr bikt, sie biken – gibt es alles, und eben auch die Partizipien BIKEND und GEBIKT. Ebenso funktioniert die Formenbildung beim Reimwort liken, das man vielleicht häufiger macht: „Ich habe etwas GELIKT.“ Korrekt sind auch die Formen GEJOGGT, GEJUMPT oder GESURFT. Das liest sich schon wieder besser und ist einfach zu bilden. Die Regel lautet also: Ein „ge-“ vor den Wortstamm, ein „-t“ dahinter (die englische Endung 
-ed“ wurde angepasst): GEPUSHT, GETOPPT, GEDOPT, AUSGEPOWERT.
Aber wie sieht es mit SNOWBOARDEN aus, also wenn der Wortstamm auf -d oder -t endet? Dann wird ein „e“ eingefügt: GESNOWBOARDET oder GESKATET oder „Bis zum Umfallen habe ich GEFIGHTET.“ – Ob nun mit der Konkurrenz oder mit der deutschen Sprache!


08.02.21

Anglizismen im Laufsport

Laufrad: Rekonstruierter römischer Kran in Bonn

Bei Schnee und Kälte habe ich neulich mal wieder auf der Tretmühle im Keller trainiert. Auf der was?? ‚Tretmühle‘ übersetzt das englische Wort treadmill – gewöhnlich gebrauche ich aber doch lieber den Ausdruck Laufband. Mal ein ausdrucksstarker deutscher Begriff in einer ansonsten von englischem Wortgut geprägten Welt!
Nicht erst in der Coronazeit sind wir mit englischen Begriffen wie Lockdown bzw. Shutdown, Homeoffice und Social Distancing in Berührung gekommen. Mein Sport, das Laufen, wird zunehmend zum Running. Wobei Sport selber aus dem englischen disport kommt: Über französisch desport und das Verb de(s)porter oder se de(s)porter. Ganz am Anfang steht lateinisch deportare, im Deutschen wird der Begriff Sport erst Ende des 19. Jahrhunderts gebräuchlich und bedeutet ursprünglich ‚Spaß, Vergnügen‘. Stellt sich die Frage, ob das sowohl auf das Running, Racing und Jogging zutrifft. Zweifelsohne kann man beim Joggen gut abschalten, heißt es doch ursprünglich ‚trotten‘. Running beschreibt generell die schnelle Vorwärtsbewegung auf zwei Füßen, Racing das Laufen als Wettbewerb.
Und was habe ich auf dem Laufband gemacht? Ich bin nicht gejoggt, sondern gerannt (oder bald neudeutsch vielleicht gerunnt??) und kam ich in eine Art Flow, ein kleines Runner’s High, also etwas wie einen Rausch, ein Läuferhoch. Wie schön, bei all den Hochs und Tiefs, die gerade für die Grenzwetterlage sorgen … 


19.09.2020

Beschäftige ich mich mit einem Text oder auch meiner eigenen Website, kümmere ich mich auch immer um die typografischen Mindeststandards. Aber was verbirgt sich eigentlich hinter diesem Begriff?

Oberstes Gebot eines Textes ist in der Regel, dass er sich gut lesen lassen soll. Neben verständlichen Sätzen und korrekter Rechtschreibung und Zeichensetzung tragen dazu auch typografische Gestaltungsmittel bei. Sie optimieren den Lesefluss eines Textes dadurch, dass er sich angenehm und leicht lesen lässt.

Worum handelt es sich konkret?

Die Typografie beschäftigt sich mit der Schriftgröße und Schriftauszeichnungen, mit den Abständen zwischen den Wörtern, Buchstaben und weiteren Zeichen, mit der Schriftart und der Zeilenlänge, mit Worttrennungen und Absätzen, mit der Gliederung eines Textes und der einer einzelnen Seite etc. Einige dieser Punkte fallen unter die Begriffe Layout und Schriftsatz.

Bei meinem Bemühen um eine Optimierung Ihres Textes achte ich auf folgende Punkte:

- Leerzeichen, geschützte Leerzeichen:

Was inhaltlich zusammengehört, muss zusammenstehen! Das gilt besonders für Zahlen, denen eine Maßeinheit folgt wie 3 m, 160 ml, 5 °C, aber auch für Prozentangaben und Paragrafenzeichen (70 %, § 423) sowie Abkürzungen (u. a., z. B.) Hier ist es sinnvoll, geschützte Leerzeichen zu setzen, sodass die Begriffe nicht am Zeilenende auseinandergerissen werden.
Zudem tilge ich doppelte Leerzeichen.

- Richtige Verwendung der unterschiedlichen Strichtypen:

Es gibt den Bindestrich (Berlin-Mitte), der auch zur Koppelung dient (Hals-Nasen-Ohrenarzt) und als Trennzeichen verwendet wird (See-stern), aber doch ein anderes Zeichen, Divis genannt, ist; weiterhin wird oft gebraucht der Gedankenstrich (–), der Bis-Strich (Berlin–Köln), den man ggf. auflösen sollte (bis schreibt sich kaum länger als der Strich; hat man ein von geschrieben, muss man auch das bis ausschreiben); der Minusstrich, der Null-Ersatzstrich …
Welcher steht nun wann? Und wie sieht es mit Leerzeichen davor und dahinter aus? Oder setzt man sie auf beiden Seiten? Und wo darf eine Verbindung oder eine Formel getrennt werden?

- Worttrennung, Trennung von Zusammengehörigem:

An sich ist es logisch: Man trennt nach Wort- und Sprechsilben, also Haus-tür, Psy-cho-lo-gie. Aber sieht eine Trennung wie Psycholo-gie toll aus? Oder denken Sie erst an einen Piccolo? Und bei Brückenge-länder oder Brü-ckenge-länder? Was liest sich gut, was ist korrekt: Spie-lende oder Spiel-ende
Ein Rechtschreibprogramm kann das nicht entscheiden, eine mitdenkende Lektorin schon!
Und wie erfolgt eine Trennung bei Sonderzeichen wie Engel/Boten oder Engel & Co?

- Weitere mathematische Zeichen:

Neben dem schon erwähnten Minusstrich kümmere ich mich um die korrekte Darstellung des Malzeichens (ein kleines x ist nicht richtig!). Der Doppelpunkt als Teilungszeichen wird von (geschützten) Leerzeichen umgeben. Das Minus bei negativen Zahlen steht ohne Leerzeichen.

- Zahlen: Sind große Zahlen gegliedert?

- Abkürzungen:
Hier überprüfe ich eine einheitliche und korrekte Verwendung. Wird bspw. beispielsweise immer abgekürzt oder ausgeschrieben? Und die falsche Schreibung beispielweise bemerkt auch nicht jedes Programm … 
Irritierend wirkt es zudem, wenn Abkürzungen am Satzanfang stehen.

Insgesamt muss man feststellen, dass es sich bei manchen der aufgezählten Punkte nur um Kleinigkeiten handelt, die manch einer als solche abtun mag. Aber glauben Sie mir: Mängel strengen die Leserschaft an! Versteht man hingegen zügig und leicht den Sinn, liest man gerne (und kauft und empfiehlt gerne, benotet eher wohlwollend …)

Natürlich muss jede Textsorte auch unter Berücksichtigung ihrer Zielgruppe und ihres Zwecks gesehen werden. Wörterbuchspalten sind anders zu behandeln als ein mathematisches Lehrbuch und ganz anders als ein belletristischer Text!


Getrennt- und Zusammenschreibung von Verbindungen aus Substantiv und Verb

Eine Verbindung wie Fangenspielen ist da schon geläufiger, wie auch das Radfahren und Skifahren. Diese Ausdrücke sind in den vorliegenden Fällen substantiviert und werden deshalb groß- und zusammengeschrieben. Wenn ich aber lieber statt 4000 Meter Cross zu laufen lieber Rad gefahren wäre oder noch lieber Eis essengegangen wäre, sähe das anders aus. 

Denn die Regel besagt, dass Verbindungen aus Substantiv und Verb in der Regel getrenntgeschrieben werden. In den meisten Fällen liegt nämlich einfach eine Wortgruppe vor, in der das Substantiv seine eigenständige Bedeutung behält. Daher wird es großgeschrieben.

 Rad fahren, Schlittschuh laufen, Handstand machen

Wenn aber der erste Bestandteil die Eigenschaft eines selbständigen Substantivs verloren hat, wird er als Bestandteil des Verbs betrachtet und klein- bzw. zusammengeschrieben:

 Ich nahm am Eifelsteig-Crosslauf teil, der bei frühlingshaftem Wetter stattfand.

Diese Verben werden in einer Gruppe zusammengefasst, die mit zwei sportlichen Bewegungsabläufen beginnt:

   eislaufen (keine Wortgruppe im Gegensatz zu Schlittschuh laufen), kopfstehen (im Sinne von völlig überrascht, verwirrt, durcheinander, bestürzt sein; wenn man wirklich nicht auf beiden Füßen, sondern auf dem Kopf steht, wird nicht zusammengeschrieben), leidtun, nottun, standhalten, stattfinden, stattgeben, statthaben, teilhaben, teilnehmen, wundernehmen

Des Weiteren gibt es untrennbare Zusammensetzungen wie brandmarken, handhaben, lobpreisen, maßregeln, nachtwandeln, schlafwandeln, schlussfolgern. Sie werden immer zusammengeschrieben:

 Lobpreiset das Crosslaufen!

Zudem gibt es Verbindungen, die man als Zusammensetzung oder Wortgruppe einstufen kann. Diese können im Infinitiv zusammen- oder getrenntgeschrieben werden:  

 Aus der Kategorie Sport: brustschwimmen / Brust schwimmen (aber: er schwimmt Brust), delfinschwimmen / Delfin schwimmen (aber: sie schwimmt Delfin), marathonlaufen / Marathon laufen (aber: ich bin Marathon gelaufen)

 Weiterhin: danksagen / Dank sagen (aber: er sagt Dank), gewährleisten / Gewähr leisten (aber: sie leistet Gewähr, voller Schutz wird gewährleistet.

In den folgenden Fällen ist sowohl Zusammen- als auch Getrenntschreibung möglich, wenn keine Ergänzung oder eine nähere Bestimmung erfolgt: achtgeben, achthaben / Acht geben, Acht haben, haltmachen  /Halt machen, maßhalten / Maß halten

 Beim Crosslaufen muss man schon allergrößte Acht geben, dass man nicht umknickt!

 Auch beim Verfassen von Texten muss man sehr achtgeben, dass man nicht über sprachliche Hürden stolpert!